Wo zu sehen

Wo kann man Bilder von Thomas Eakins sehen?

Eine Sängerin wiederholt dieselbe Phrase, Chirurgen arbeiten vor Publikum. In Philadelphia und New York folgt Eakins Menschen, die ganz darin aufgehen, was ihre Körper vermögen.

2. November 2026 · 7 Min. Lesezeit · Redaktion ART WIKI

Weda Cook musste dieselbe Passage noch einmal singen. Thomas Eakins wollte ihren Mund und Hals dabei beobachten. Aus der Porträtsitzung wurde eine Probe ohne Aussicht auf das nächste Lied. Die Anfangstakte des Mendelssohn-Stücks wurden schließlich in den Rahmen der Konzertsängerin geschnitzt. Das Philadelphia Museum of Art besitzt das Gemälde. Sehen Sie vor dem Kleid den offenen Mund an: Für diese kleine Form musste jemand sehr viel singen.

Philadelphia: der Auftritt und die Operation

Cook war dreiundzwanzig, als die Arbeit begann; die Sitzungen zogen sich über zwei Jahre. Eakins liebte Musik, spielte aber kein Instrument und hatte offenbar eine schlechte Singstimme. Seine Frau Susan spielte Klavier. Damit stand der Maler neben seinem Modell an einer ungewöhnlichen Stelle. Er kannte das Vergnügen des Zuhörens, brauchte von ihr aber immer wieder den körperlichen Beleg dafür, wie es zustande kam. In der Konzertsängerin wird die Pause zwischen Einatmen und Freigeben eines Tons zum Porträtthema.

The Concert Singer
Weda Cook wiederholte eine Passage von Mendelssohn, während Eakins die körperlichen Abläufe des Singens studierte. Zum Werk →

Einen anderen beruflich tätigen Körper zeigt Die Klinik Gross, ebenfalls in der Sammlung in Philadelphia. Samuel Gross und seine Kollegen operieren vor einem Vorlesungspublikum am Oberschenkel eines Patienten. Eakins malte das Bild für die Centennial-Ausstellung von 1876, doch die Kunstjury lehnte es ab, vielleicht wegen des Blutes. Stattdessen wurde es in einem nachgebauten Armeehospital gezeigt. Die Frau, die ihr Gesicht bedeckt, wird traditionell als Mutter des Patienten bezeichnet. Eakins setzte sich selbst hinter die Brüstung, Notizen oder eine Skizze machend, während der Chirurg seine blutigen Finger hochhält.

Schenken Sie auch dem riesigen gemalten Publikum Aufmerksamkeit. Eine Reaktion auf die Operation ist Zurückschrecken, eine andere Zuschauen, eine dritte das Aufschreiben des Wesentlichen. Mutter, Studenten und Maler bieten verschiedene Blicke auf dasselbe freigelegte Fleisch. Sie dürfen zwischen ihnen wechseln. Beginnen Sie bei Gross’ heller Stirn, folgen Sie der Hand in die Operation und schauen Sie dann zurück in die dunklen Zeugenreihen. Das Bild trennt eine lehrreiche Vorführung nicht sauber von etwas, das einem Menschen widerfährt.

Die Klinik Gross
Von der Kunstjury der Centennial-Ausstellung abgewiesen, wurde die Operation in einem nachgebauten Armeehospital gezeigt. Zum Werk →

New York: ein Vater signiert durch seinen Sohn

Benjamin Eakins erscheint in den Schachspielern im Metropolitan Museum of Art und beobachtet zwei Freunde beim Nachdenken über ihre Züge. Eine lateinische Inschrift auf der Tischschublade nennt den Maler als Benjamins Sohn. Über dem Kaminsims hängt eine Reproduktion nach Gérôme, bei dem Thomas studiert hatte. Familie und künstlerische Ausbildung teilen sich das volle Zimmer, ohne die Partie zu stören. Als Eakins das Bild 1881 dem Met schenkte, wurde es zum ersten Werk, das das Museum unmittelbar von einem lebenden Künstler annahm. Bei unserer Prüfung im Herbst 2026 hing es in Saal 730.

Benjamin hatte einen eigenen anspruchsvollen Beruf. Im Schreibmeister, bei derselben Prüfung in Saal 766 verzeichnet, beugt sich der Kalligraf über seinen Schreibtisch und widmet sich dem Blatt. Das Dunkel ringsum lässt der arbeitenden Hand wenig Konkurrenz. Vergleichen Sie sie mit der Hand des Chirurgen oder den Fingern an einer Schachfigur. Sie müssen daraus keine Symbole einer großen gemeinsamen Idee machen. Jede gehört zu einer anderen Aufgabe, mit eigenem Tempo und eigener Fehlergefahr. Hier tut der Vater des Malers seine Arbeit.

Mehr Luft gibt es auf dem Fluss. Max Schmitt im Einer erinnert vermutlich an den Rennsieg von Eakins’ Schulfreund im Oktober 1870. Schmitt war Anwalt und Amateurruderer. Eakins war in jenem Jahr aus Europa zurückgekehrt; die Ruderbilder halfen beim Beginn seiner beruflichen Laufbahn. Auch in dieses setzte er sich selbst, in mittlerer Entfernung rudernd. Bei unserer Prüfung im Herbst 2026 war das Gemälde in Saal 763. Das Boot vorn hat den Wettkampf beendet, und sein Insasse dreht sich zum Betrachter, während der Maler dahinter weiterrudert.

Max Schmitt im Einer
Vorn sitzt Max Schmitt; weiter draußen auf dem Fluss rudert Eakins in einem zweiten Einer. Zum Werk →

Mit dem Porträt seiner Frau und seines Setters, im Herbst 2026 in Saal 764 verzeichnet, betritt Susan die New Yorker Route. Sie war selbst Malerin und Fotografin und zuvor Eakins’ Schülerin. Ihr Hund hieß Harry. Auf einer Reproduktion von 1886 wirkt Susan kräftiger als im endgültigen Gemälde, ein Beleg für spätere Änderungen ihres Mannes. Diese könnten mit den Belastungen um seine Entlassung aus dem Lehramt zusammenhängen, nachdem er einem männlichen Modell in einer auch von Frauen besuchten Klasse den Lendenschurz entfernt hatte. Das bleibt eine Deutung, keine Diagnose der Dargestellten.

Zurück in Philadelphia: die Glocke hat noch nicht geläutet

Für Zwischen den Runden geht es zurück zur Sammlung des Philadelphia Museum of Art. Die Boxarena lag gegenüber der Akademie, an der Eakins gelehrt hatte. Seine Frau erinnerte sich, dass die Figuren einzeln Modell standen. Die Leinwand verbindet Beobachtungen, statt einen einzigen Kampf wiederzugeben. Eine andere Episode gibt dem Boxer Billy Smith eine Stimme. Nachdem er von Eakins ein Porträt erhalten hatte, beschwerte er sich, die Farbe über seiner Lippe sehe wie ein Schnurrbart aus, und bat darum, sie zu entfernen. Eakins lehnte ab. Der Mann, der einen Schlag einstecken konnte, wollte trotzdem über sein gemaltes Gesicht mitbestimmen.

Reicht die Zeit nur für New York, lassen Sie die Porträtierten die Route durch Eakins’ Werk führen. Gehen Sie von den Schachzuschauern zum Ruderer und verbringen Sie die letzten Minuten mit Susan und Harry. Nutzen Sie die Saalnummern vom Herbst als Ausgangspunkt und prüfen Sie die Tagesregelungen vor dem Aufbruch. Die Met-Route vereint den Beruf eines Vaters, die Freizeit eines Freundes und eine Ehe in einem Museumsbesuch. Der Kalligraf war in Saal 766 verzeichnet.

Auf dem Titel: Die Klinik Gross — Thomas Eakins. Thomas Eakins, American, 1844 - 1916 (1844 - 1916) – Artist/Maker (American) Born in Philadelphia, Pennsylvania, United States. Died in Philadelphia, Pennsylvania, United States. Details on Google Art Project · Public domain · Wikimedia Commons