Stèle de Bakhtan
Darf man es sehen?
Paris, Frankreich
Öffentlich ausgestellt. Wer dafür bürgt, steht unten.
Die Stele Louvre C 284, besser bekannt als Bentresch- bzw. Bachtan-Stele, ist ein altägyptisches Sandsteinmonument, das Anfang 1829 im Rahmen einer französisch-toskanischen Expedition unter Jean-François Champollion und Ippolito Rosellini südöstlich des Haupttempels des Amun-Re in Karnak in den Ruinen eines Kleinen Heiligtums entdeckt wurde und sich heute im Louvre befindet. Die Inschrift inszeniert sich selbst als ein Dokument aus der Zeit Ramses’ II. (reg. 1279–1213 v. Chr.); morpho-syntaktische Befunde weisen jedoch auf eine erheblich spätere Abfassungszeit. In der jüngeren Forschung wird überwiegend eine Datierung in die Ptolemäerzeit (332–30 v. Chr.) favorisiert, ohne dass die hierfür vorgebrachten Argumente als zwingend gelten könnten. Alternativ sind Einordnungen in die Spätzeit (672–332 v. Chr.) sowie, in vereinzelten Ansätzen, sogar in die 21. Dynastie (ca. 1076–945 v.
Chr.) bzw. in die Dritte Zwischenzeit (ca. 1069–655 v. Chr.) erwogen worden. Eine eindeutige zeitliche Einordnung der Stele bzw. etwaiger Vorlagen ist angesichts der komplexen grammatischen, orthographischen und lexikalischen Befundlage nicht möglich.
Der Text schildert die Hochzeit eines ägyptischen Königs – dessen Name Elemente von Ramses II. und Thutmosis IV. (reg. 1400–1390 v. Chr.) kombiniert – mit einer Prinzessin aus Bechten, was wohl eine Falschschreibung von Ḫatti darstellt, es könnte sich aber auch um Baktrien handeln. Als deren Schwester Bentresch von einem Dämon befallen wird, entsendet der Pharao eine Statue des Gottes Chons, um Heilung herbeizuführen. Nachdem der König von Bechten die Statue nach der erfolgten Heilung der Prinzessin zunächst nicht nach Ägypten zurückgeben will, entscheidet er sich nach einem vom Gott gesandten Traum um. Besonders das Motiv des Exorzismus trug dazu bei, dass die Stele interdisziplinär große Aufmerksamkeit erlangte.
Die Inschrift steht in engem Zusammenhang mit der in Karnak befindlichen Hochzeitsstele Ramses’ II. sowie mit dem Motiv ägyptischer Ärzte im Ausland. In der Forschung wird darüber hinaus intensiv ein möglicher Bezug zur Verschleppung von Götterstatuen in die Persis erörtert. Die weite Rezeption der Bentresch-Erzählung bereits in der Antike belegen die Legende enthaltende Steinblöcke in Luxor und Karnak. Darüber hinaus wirkte sie in Tacitus’ Darstellung der Einführung des Serapis-Kultes bis in die römische Zeit hinein und hinterließ ihre Spuren in einer koptischen Legende. Fragen nach dem Entstehungskontext der Stele, ihrer Datierung und ihrer Funktion sind Gegenstand einer Fachdiskussion.